Wolfgang auf dem Rennrad

Dieses Jahr habe ich es sportlich etwas ruhiger angehen lassen und auf Possen- sowie Kyffhäuserlauf  
verzichtet. Ich möchte mich dieses Jahr beim Radeln auf die schmalen Reifen sowie auf lange Strecken konzentrieren. Bei dieser Zielstellung wurde mir von verschiedenen Seiten der Spreewald Radmarathon als Einstieg empfohlen, wo viele das erste Mal lange Strecke fahren. Ich kannte die Veranstaltung bislang nur vom Namen, ein Fehler, wie sich heraus stellen sollte. Mit mir fuhr ein Bekannter aus Dresden mit seinem Team, die vor allem im Erzgebirge und jenseits der Grenze in Tschechien an RR und MTB Marathons teilnehmen. Sie wollten allerdings nicht den langen Kanten mit über 200 km, sondern "nur" die 160 km Strecke fahren. Dem schloss ich mich an.

9:30 h standen wir am Start auf der Schlossinsel in Lübben, bei kaltem (5 Grad) aber sonnigem Wetter. Geplant war eine Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen, sprich nicht Vollgas, aber schon mehr Tempo als im Training.

Nach dem Startschuss ging es dann auch erst mal eher gemütlich los, zwar verlor ich meine Dresdner Bekannten beim Start aus dem Augen, aber ich fand eine recht große Radsport Gruppe aus der Nähe von Greiz (Radsportteam Reichenbach), die mit über 10 Mann sich als Team im Wind abwechselten und einen Schnitt von etwa 29 km/h fuhr. Sie fuhren genau in dem Leistungsbereich, den ich mir heute vorgenommen hatte. Wir kamen zügig voran und holten einige Einzelfahrer sowie kleinere Gruppen ein, die sich teilweise anschlossen. Der Wind war schon ziemlich eklig und wurde auch vom Spreewald nur wenig gebremst.

Dafür muss man den Organisatoren hohes Lob aussprechen. Ich kenne wenige so gut organisierte RTFs. Verpflegung (die Blinsen, eine Art Eierpfannkuchen, waren ein Traum!), Streckenauswahl und Ausschilderung waren vorbildlich. Wir bekamen als große Gruppe manchmal sogar ein Motorrad als Eskorte, das voraus fuhr und uns die Straßenkreuzungen frei blockte. 

Beim dritten Kontrollpunkt hatten wir dann auch meine Dresdner Bekannten eingeholt und fuhren gemeinsam weiter. Das Tempo des Zugs steigerte sich kontinuierlich, je näher wir dem Ziel kamen. Etwa ab km 100 wurde aus der RTF dann fast ein richtiges Rennen. Auf langen Geraden wurde jetzt manchmal Tempo 37-38 gefahren und das obwohl weiterhin der Wind blies. Auch ich "vergas" meine ursprüngliche Planung und hängte mich rein. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag jetzt deutlich über 30 km/h. Bei der Durchfahrt durch einen alten Tagebau, etwa 25 km vor dem Ziel wurde der asphaltierte Weg sehr schmal und die große Gruppe splittete sich in mehrere Teilgruppen auf.

Ich war zunächst in der dritten Gruppe konnte aber gemeinsam mit 5 anderen einen erfolgreichen Ausreissversuch starten und zur zweiten Gruppe aufschliessen. Am letzten Kontrollpunkt habe ich nur noch gestempelt, ein Teil der Gruppe, auch meine Dresdner Bekannten, wollten nochmal Verpflegung nehmen, daher ging es für mich in einer kleinen Gruppe weiter. Bei den letzten 5 km stand der Wind nochmals fies von vorne, das tat jetzt richtig weh, das Tempo zu halten, aber nach knapp 5 Stunden war es dann geschafft. Die neue Teamjacke, die ich erstmalig trug, war klatschnass durchgeschwitzt.

Nach zwei alkoholfreien Weizenbieren, einem großen Teller Erbseneintopf und mit mehreren kleinen Gurkeneimern im Gepäck ging es dann zurück nach Hause.

Hier komme ich gerne wieder her, das war mit ziemlicher Sicherheit nicht das letzte Mal Spreewaldmarathon.

 

Viele Grüße

Wolfgang Kölsch