Nachdem ich beim 1. Lauf der Creuzburger Winteraufserie schon einen erfreulichen 3. Platz erreicht hatte, war das Erscheinen am 22.02.15, beim 2. Lauf der Serie schon fastPflicht. 

Nach dem Ankommen stellte ich fest, dass ich den Pulsgurt vergessen hatte, ärgerlich, aber nicht zu ändern, musste ich eben nur noch Tempo und Gefühl laufen. Vor dem Start schaute ich mir meine Mitläufer an. Der Sieger des ersten Laufs, ein Gothaer, schien nicht da zu sein, schon mal erfreulich, denn der war über 3 Minuten schneller, den würde ich auch heute sicher nicht schlagen. Wie der 2. des ersten Laufs aussah, wusste ich nicht, der war nicht zur Siegerehrung erschienen.

Anwesend war aber wieder Lauffreund Horst von den Lauffreunden aus Fröttstedt, ein erfahrener Ultraläufer, mit dem ich mir schon beim letzten Mal einen heißen Tanz um Platz 3 geliefert hatte. Dieses Mal sollte es noch knapper werden, aber dazu später mehr. Ansonsten waren wenige bekannte Gesichter zu sehen, aus Erfurt schien kaum jemand gekommen zu sein. Nur Marcel Kriegloff vom USV, ein pfeilschneller junger Mann vom USV, war unschwer zu erkennen, aber der läuft sowohl vom Tempo als auch von der Altersklasse in einer ganz anderen Liga.

Der Startschuss fiel und -wie beim ersten Lauf im Januar - ging es vorne gleich wieder zur Sache. Meine GPS Uhr zeigte eine Pace von 3:30 bis 3:50 min/km, das ist zu schnell für mich über 11 km, das stehe ich nicht durch, also Tempo rausnehmen!

  

Horst aus Fröttstedt blieb zunächst in der Spitzengruppe und war somit schnell gute 200-300 Meter vor mir. Ich pendelte mich zwischen 4:00 und 4.30 (umgerechnet zwischen 13.5 und 15 km/h) ein, das ist ein Tempo, das ich recht lange laufen kann. Es zogen noch 4 oder 5 Läufer auf den ersten Kilometern an mir vorbei, danach war Schluss mit dem Überholtwerden und ich ging daran, wieder nach vorne aufzuschließen, denn es hatten, wie im 1. Lauf, wieder einige Läufer ein zu schnelles Anfangstempo gewählt. Der Abstand zu Horst veränderte sich aber kaum, der blieb ein gutes Stück vor mir, schätzungsweise 300 Meter. Auf dem Stück bis zur Wendemarke, bei Kilometer 6, konnte ich nur ein paar  jüngere Läufer wieder einfangen.

Die Wendemarke auf dieser Strecke hat den Vorteil, dass man die vor einem liegenden Läufer sehen und “abschätzen” kann. Ganz vorne war, wie zu erwarten, Marcel Kriegloff, dann kam lange, lange nichts, danach ein Pulk mit etwa 5-6 jungen Läufern, alle sicher nicht meine AK und danach mehrere Einzelläufer, die teilweise altersmäßig schwer einzuschätzen waren. Ob ein Läufer 44, 49, 50 oder 55 ist, sieht man ihm nicht an und auf der Startnummer ist es nicht zu sehen. Zumindest zwei der vor mir Liegenden hatte im Verdacht, in meiner Altersklasse zu sein, dann kam auch noch Horst, von dem ich es positiv wusste, also war ich nach der Hochrechnung vor der Wendemarke Vierter, Klasse, wieder Holzmedaille *grummel*, da muss noch was passieren. 

Immerhin ergab die Zwischenzeit an der Wechselmarke eine um 30 sec bessere Zeit als beim ersten Lauf. Ferner überholte ich kurz nach der Wendemarkierung einen jüngeren Läufer, der beim letzten Mal direkt vor mir ins Ziel gekommen war und in seiner AK damals auch 3. war, ganz schlecht konnte ich also nicht liegen. 

Mein Plan für die zweite Teilstrecke hieß also: Horst einholen und den 3. Platz retten, ein schöner Irrtum, wie sich später herausstellte. Ich versuchte das Tempo weiter zu forcieren, manchmal zeigte die GPS Uhr vorne eine 3 als erste Ziffer an, das Tempo stimmte, mehr geht nicht bei mir; was sich aber kaum änderte, war der Abstand zu Horst. Beim letzten Rennen hatte ich zwischen km 6 und 8 den Abstand zu ihm verkürzt und war bei km 9 an ihm vorbeigelaufen, das klappte dieses Mal nicht, obwohl ich schneller war. Der Abstand wurde zwar kleiner, von 300 Metern auf vielleicht 150 Meter, aber auch das ist nichts, was man im Endspurt noch überbrücken kann. Was tun? Ich war der Verzweiflung nahe, aber es half nichts, ich kam nicht richtig ran. 

Kurz vor km 10 kam dann der Abzweig vom Radweg in Richtung Creuzburg auf einen Feldweg. Da sah sich Horst um und ich spürte Panik in seinem Blick. In dem Moment wusste ich: jetzt hast du noch eine Chance. Sein Motor “stotterte”, er wurde langsamer. Innerhalb von gerade mal 500 Metern lief ich die Lücke zu und war direkt hinter ihm. Und nun?

Gleich vorbeiziehen? Dann hängt er sich in Deinen Windschatten bis ins Ziel und wer weiss, wer den schnelleren Endspurt hat. 

Ich erinnerte mich an alte Radfahrerweisheiten: Angegriffen wird am Berg und es gibt doch noch einen, kurz vor dem Ziel,  zwar nur 200-300 Meter lang, aber immerhin. Bis zum Fuss des Berges blieb ich daher hinter ihm und versuchte mich von meinem Aufholtempo, das viele Körner gekostet hatte, ein wenig zu erholen. 

Es kam der Anstieg, Horst wurde langsamer und ich holte alles aus mir raus, was noch da war und beschleunigte mein Tempo bis zum Anschlag. Oben, am Ende des Anstiegs, war mir zwar richtig schlecht vor lauter Laktat in den Beinen, aber ich hatte etwa 50 Meter Vorsprung herausgelaufen. 

Die brachte ich dann auch ins Ziel, wobei mir die letzten Meter sehr, sehr schwer fielen, hätte er nochmals gekontert, ich hätte nichts mehr dagegen setzen können. Der Blick zur Uhr im Ziel war schon mal erfreulich, 47:17 min, fast eine ganze Minute schneller als beim ersten Lauf und das auch noch trotz eines erkältungsbedingten Trainingsausfalls von 2 Wochen.

Der Ordner im Ziel gab mir den Ergebniszettel, ein Blick mit verschwommenen Augen und da stand beim Platz  eine “4” oder? Ach - neee, da fehlt ja der Querstrich, das ist ja eine “1” *kreisch*, ich habe die AK gewonnen!! :)

Horst kam wenige Sekunden später ins Ziel und hat mir total nett und fair gratuliert. Mir war es dann fast peinlich, ihn auf diese Weise abgefangen zu haben. Gute 10 der 11,3 km liegt er auf Platz 1 und am Ende gewinnt ein anderer. Aber das ist Sport, die Ergebnisse sind nicht immer gerecht. 

Gefreut habe ich mich aber dennoch riesig, denn es war mein erster Sieg in einem Einzelwettbewerb seit meiner Judozeit vor 35 Jahren. Auch bei der Gesamtwertung, die nach dem 3. Lauf im März feststeht, habe ich mit einem 1. und einem 3. Platz jetzt ganz gute Chancen. Das Sportjahr 2015 verspricht jedenfalls, ein erfolgreiches Jahr für mich zu werden.  

Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle einmal mehr an “meine” Physiotherapeutin Christiane, ohne die dieser Erfolg nie möglich gewesen wäre. Noch am Dienstag Nachmittag konnte ich kaum richtig gehen, geschweige denn schmerzfrei laufen. Schon gar nicht hätte ich mit diesem “zickenden” Oberschenkel ein Rennen in diesem Tempo laufen können. Sie hat mit ihren Händen und ihren als “Hausaufgaben” mitgegebenen Übungen mich in 4 Tagen wieder fit bekommen, ein echtes Wunder! :)

Wolfgang Kölsch