Rennberichte

Die Nervosität war groß vor dem Wettkampf, ein DNF stand zumindest im Raum, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich, aber eben nicht auszuschließen. Triathlon ist Materialschlacht, 3 Sportarten sind zu absolvieren, dementsprechend groß war die Kiste, die ich mitschleppte  plus das Rad und dabei hatte ich nicht mal einen Neo dabei.

Vor dem Start mal geschaut, was die Konkurrenz so links und rechts sich zurecht  legt und sieh an, die Socken fast vergessen, puuh, noch mal gut gegangen. Da ich einen "gebrauchten" Startplatz (Ummeldung) hatte, stand ich nicht in der Welle der Hobbysportler, sondern bei der Leistungsklasse, wo ich mich selbst nie angemeldet hätte. Na gut, einer muss ja letzter sein beim Schwimmen, warum nicht ich?

Es kam der Start, ich stand außen und hinten, vorne ging die Post ab, da kraulten sie schon wild davon, da hatte ich nicht mal begonnen zu schwimmen. Ich machte meine Brustschwimmzüge entsprechend den Coach Vorgaben von Isabell ("keine Hektik, keine wilden Armzüge, Konzentrieren auf Beinschlag, gleiten, unter Wasser schwimmen") und sieh an, ich blieb im Feld der anderen Schwimmer. Natürlich war ich "hinten", irgendwo im letzten Drittel, aber eben nicht ganz hinten am Ende des Felds, sondern durchaus noch in einer großen Gruppe unterwegs. Links und rechts schwammen sie auch nicht schneller als ich, außerdem mussten hinter mir auch noch welche sein, denn insbesondere bei den Bojen habe ich vermutlich schon ein paar kleine Hämatome mit meinen Füßen verteilt 
(kann ich nicht ändern, habe keine Augen hinten; das hatte an den Bojen schon was von Verdrängungswettbewerb, als Ex Handballer bin ich da aber nicht so empfindlich).

So spätestens ab der 2. Boje fing es an, Spaß zu machen, ja kaum zu glauben, das Schwimmen im Wettkampf machte mir Spaß. Ich hatte mein Tempo und merkte, dass ich voran kam, die anderen schwammen mir nicht weg, im Gegenteil, ich kam sogar noch an ein paar vorbei, die zu schnell angegangen waren. 

Vor allem hatte ich das beruhigende Gefühl, das Tempo könnte ich jetzt noch eine halbe Stunde weiter schwimmen, ohne kaputt zu gehen, damit komme ich an. Am Ende, auf den letzten 100  m wäre auch Kraulen platz- und kräftemäßig möglich gewesen, ich habe aber darauf verzichtet, um nichts zu riskieren.

Beim Laufen in die Wechselzone ein Blick auf die Pulsuhr. 150 er Puls, hoppla, das ist ja Schwelle und das beim schwimmen? Das war eine Überraschung. Auf eine Kontrolle der Schwimmzeit und den Blick nach hinten habe ich aber bewusst verzichtet, man muss sich nicht im Wettkampf frustrieren, es war aber wider Erwarten noch ganz ordentlich, Platz 299 von 420 bei den Männern gesamt.

Der Wechsel aufs Rad war nicht optimal, ich war ein bisschen umständlich, das muss ich traineren und wenn es zu Hause im Garten ist. Aber irgendwann saß ich dann auf dem "Bock", der erste Kilometer war mühsam, aber dann ging die Tachonadel über die 30 km/h Grenze und da blieb sie. Es war wie so ein bisschen Pacman Spielen im Dauerfress Modus, Puls knapp unter Schwelle und dann überholen, überholen überholen. Ich wurde auf den 20 km nur ein einziges Mal überholt, wie viele ich überholt habe, kann ich nur schätzen. 100 waren es sicher, es können auch noch mehr gewesen sein. Der Kurs bestand quasi aus zwei Teilen: in Richtung Süden und Osten hatte man Gegenwind, ansonsten Rückenwind. Bei den Gegenwindpassagen zeigte der Tacho Tempo 31-32 an, bei Rückenwind 38 und mehr. Die Überholmanöver haben schon ein bisschen Zeit gekostet, dafür war der Kurs als solcher aber fast perfekt: ausreichend breite Landstraße, guter Asphalt, relativ weite Kurven. 

In der zweiten Runde habe ich das Tempo nochmal etwas angezogen, Laufen kann ich, dafür muss ich mich nicht schonen, der Puls ging von etwa 150 auf 154 hoch. Nach gut 38 Minuten war ich zurück, fast 35er Schnitt, Platz 94 Radeln gesamt, Platz 15 in der AK.

Der zweite Wechsel ist leichter, man muss fast nur die Schuhe wechseln und das Radzeug weglegen, das ging flotter. 

Und dann laufen. Die ersten 200-300 m noch in der Wechselzone waren genau so ein Mist,  wie man es aus den Beschreibungen kennt. Beine matschig, Füße jucken, ein Gefühl wie bei km 38 im Marathon. Fast pünktlich an der Startlinie der Laufstrecke hatte sich das aber gegeben und dann schau´n mer mal, was geht. Es ging und es ging viel. Die Umstellung von Marathontrainingsplan auf einen Plan mit kürzeren Distanzen scheint sich auszuzahlen, ich hatte richtig Tempo. Zu Beginn kurzzeitig ein Tempo sub 4:00 min/km, das konnte aber nicht gut gehen mit 600 m Schwimmen und 22 km Rad davor, also etwas Tempo raus. Ich pendelte mich so bei einer 4:10-15 ein, auch jetzt wieder ÜBERHOLEN als Dauerzustand. Es wurde hart, auch wenn 5 km nicht weit sind. Es hatte 30 Grad, die Sonne brannte,  die Beine waren nicht mehr frisch und auch beim Herz-Kreislaufsystem merkte ich, dass irgendwelche verrückten Sachen jetzt nicht mehr drin sind. Bei km 3 habe ich nochmal dezent das Tempo erhöht auf eine 4:05 bis 4:09 min/km und damit zog ich dann in Richtung Ziel Auf der Zielgeraden die letzte Überholung und dann mit 20:27 als Splitzeit (waren nicht ganz 5 km) rein. Laufsplit Platz 33 von 420 Gesamt, in der AK Platz  1, TSCHAKKA!

Nach dem Zieldurchlauf etwas getrunken und dann zum Laktatmessstand (nette Idee der Leipziger Spowis von der Uni). Obwohl nach dem Zieldurchlauf bestimmt schon 2-3 Minuten vergangen waren, zeigte das Lakatmessgerät bei meinem Blutropfen 7,0 Laktat an, also gute 4 über meine Schwelle. Vermutlich war ich beim Zieldurchlauf im zweistelligen Bereich. So viel mal wieder zum Thema: "Wolfgang läuft das ganz locker, nur auf Ankommen, usw"). Der Belastungstest meiner Garmin, den ich interessehalber im Anschluss anwarf, ergab 100 von 100 Punkten, passte zum Laktat wert.

Gesamt Platz 119, bei den Männern Platz 109, Platz 10 in der AK M50. Hat Spaß gemacht, machen wir wieder.

Wolfgang Kölsch