Salzkammergut Trophy 10.07.2004 Extrem Distanz !
Pain has a name – diesem Slogan sollte auch die diesjährige Salzkammergut-Trophy mit 203km und 7296 Höhenmetern alle Ehre machen. Am 10.07.2004 um 5:00 Uhr früh fiel der Startschuss für ca. 200 Starter.

Die Fahrer der Extremdistanz durften die WM-Strecke vom 11.07.2004 zweimal unter die Stollen nehmen. Respekt zollten auch die WM-Profis vor den teils sehr langen und stellenweise extrem steilen Anstiegen. »Man ist dort sehr langsam unterwegs, hat das Gefühl, kaum vorwärts zu kommen. Und das über viele Kilometer.

Tempo machen ist da einfach nicht drin«, erklärte Birgit Jüngst, Europameisterin vom Team Multivan Merida. Und ihr Teamkollege Jürgen Kotulla fügte hinzu: »Es geht ewig schwer bergauf, und wenn du denkst, jetzt wird es endlich wieder etwas flacher, folgt nach der nächsten Kurve ein Anstieg, bei dem du meinst, regelrecht vor einer Wand zu stehen.«Nach monatelangen Vorbereitungen reisten Daniel und Ando vom Team „Freihoff“ am Donnerstagnachmittag an. Wir profitierten von der frühzeitigen Reservierung der Zimmer im Hotel Moserwirt - www.moserwirt.at -unmittelbar in der Nähe des Start- und Zielbereiches. Am Freitag befuhren
wir erstmals „live“ ein paar Streckenabschnitte, nachdem wir den Rundkurs bisher nur auf dem Papier studieren konnten. Die Vorankündigen mit Adjektiven der Superlative sollten sich bewahrheiten. 

Die Regenfälle der letzten Wochen hatten der an sich sehr schönen, aber hammerharten Strecke von Bad Goisern in den echten Offroad-Passagen stark zugesetzt und einige kleine Anstiege, vor allem aber die Abfahrten in Schlammpisten verwandelt. Der Matsch war dort sehr tief, selbst wenn man das Bike schob, setzte es sich mit Schmutz und Schlamm zu.

Wir ließen jedoch keinen Zweifel an unserem Ziel, die Trophy zu beenden, aufkommen und nutzen den Rest des Tages zur Entspannung und holten unsere Startunterlagen.

Am Samstag im Morgengrauen, um 05:00 Uhr fiel der Startschuss im Dorfzentrum von Bad Goisern und bereits am ersten Anstieg wurde ein Höllentempo vorgelegt. Unser gemeinsames Ziel war zeitlich nur durch die Zeitlimits (Finishen vor dem Einbrechen der Nacht) bedroht, wir fuhren also nicht auf Platzierung. Unsere zurückhaltende Fahrweise war aber auch durch die Rennlänge bestimmt, den 200km fährt keiner von uns beiden im Cross-Country-Tempo.

Mental hielt die Strecke viele Überraschungen für uns bereit, allein die 3 fache Ortsdurchfahrt war eine psychische Belastung der besonderen Art. Dazu kam, dass wir beide noch kein Rennen über diese extreme Distanz bestritten haben.

Wir verloren uns schnell aus den Augen und es galt für jeden, sein eigenes Tempo zu finden und den Rhythmus nicht zu verlieren. Doch auf dieser Strecke war es kein einfaches Unterfangen, die Zeit, die durch die teilweise extrem steilen Anstiege bis zu 30%, bei denen man förmlich am Berg klebt, verloren ging, war nicht einfach durch Hochgeschwindigkeitsabfahrten wieder aufzuholen, denn bei diesem Rennen sind wir mehr bergab, als bergauf gelaufen.

Besonders die Abfahrt von der Rathluck’n Hütte war unfahrbar und selbst das Schieben des Rades war nur schwer zu meistern. Dieser 2km Downhill konnte nicht als allwettertauglich bezeichnet werden und der Schaden, den mehr als 1.000 Biker dort in der Flora anrichteten, war unserer Ansicht nicht notwendig, denn auch andere wunderschöne Trails führten zurück in den Zielbereich. Hatte hier die UCI die Hände im Spiel?

Die erste Runde war innerhalb des Zeitlimits gemeistert und jeder andere Marathon wäre an dieser Stelle nach 7 Stunden zu Ende gewesen. Etwa gegen 11.00 Uhr begann es erst gemächlich, dann immer stärker zu regnen, und schließlich goss es wie aus Kübeln und das sollte bis ca. 16:00 Uhr so bleiben. Der durch häufige Regenfälle in den vergangenen zwei Wochen eh schon aufgeweichten Strecke tat dies vor allem in den Abfahrten nicht gut. Dort war der Schlamm teilweise mehr als knöcheltief. Selbst durch Schieben konnte man sein Bike nicht mehr sauber genug halten. … und nachdem die erste Welle der B- und C-Fahrer (1.500) über die Abfahrt gerollt bzw. gerutscht war, sah es echt extrem unfreundlich aus.

So mussten wir uns alleine durch die widrigen Witterungsbedingungen und die völlig verschlammte Strecke kämpfen. Doch wir fuhren in die zweite Runde und der Regen und die eisigen Temperaturen zehrten an unseren Kräften.

Stefan Danowski, Sieger der Höllen-Trophy 2001 fand die richtigen Worte:
„Jedenfalls hat es mich da draußen gefroren, nachdem der Regen eingesetzt hatte, wie noch nie zuvor in meiner Laufbahn. Ich habe nicht einmal mehr schalten und bremsen können. Ich bin tatsächlich mit klappernden Zähnen die Abfahrten heruntergekommen. So etwas habe ich noch nie erlebt.

Zwischenzeitlich konnte ich gar nicht mehr bremsen, weil ich meine Hände vor lauter Kälte nicht mehr gespürt habe.“ Auch meine Fingerkuppen sind 3 Tage nach dem Rennen noch taub und ich habe erstmals bei einer Abfahrt ans Aufgeben gedacht und mich nur dadurch neu motivieren können, das der nächste „wärmende“ Anstieg bevorstand. Die Abfahrt nach Lauffen war die erste bittere Abfahrt, bei der die ersten Anzeichen einer Unterkühlung einsetzten. Zu meiner Enttäuschung gab es an der nächsten Labe keine heißen Getränke und die Labe sah schon sehr geplündert aus, denn ca. 1.000 B-Fahrer hatten hier wie die Termiten die Tische leer geräumt und dass sollte sich auf der letzten Runde bis auf wenige Ausnahmen fortsetzen. Gut, dass ich das zu diesem Zeitpunkt (Stunde 8) nicht wusste. Denn nach dieser ersten Abfahrt war Bad Goisern so nah und der absolute Tiefpunkt erreicht. An dieser Stelle gaben viele Fahrer auf.Der Anstieg in die „Ewige Wand“ wärmte die Muskeln wieder durch und die anschließenden Schiebepassagen im Downhill waren trotz der Strapazen unter diesen Umständen sehr willkommen. Die Anwohner unterstützen uns nicht nur durch Anfeuerung, sondern holten sogar ihre Kärcher aus der Garage und reinigten unsere verdreckten Bikes und das den ganzen Tag. Entsprechend sah auch das Dorf aus, völlig verschlammt und zentimeterdicker Schlamm auf den Strassen. Ohne die Hilfe der Anwohner, hätte die Technik auf der 2. Runde wohl versagt.


Für die nächsten 6 Stunden nach der letzten Ortsdurchfahrt in Bad Goisern gegen 14:00 Uhr fuhr ich angeschlagen in die letzten 3 schweren Anstiege und wusste, dass ich das Zeitlimit einhalten könnte. Ich sagte mir jedoch: „Das Rennen ist erst im Ziel zu Ende!“


Die beste Labe erwischte ich dann an den Sandling-Liften in der 10. Stunde und endlich hörte auch der Regen auf. Die Labe hielt allerlei Kleinigkeiten bereit, die nun wie prachtvolle Leckereien aus dem Schlaraffenland erschienen: …Lebkuchen, Trockenfrüchte und endlich heißen Tee. Die 10minütige Pause und der bike-wash vom Stuff mitten im Wald trugen dazu bei, dass diese Labestation von mir 10 von 10 Punkten und ein dickes Lob erhält!


Nun stand nur noch die lange und schnelle Abfahrt zur Rettenbachalm bevor, die mir aber noch mal die Kälte in die Knochen trieb, denn das Trikot, die Hose und Weste waren völlig durchgeweicht und 8 Grad kamen mir bei 30-40 km/h wie ein Polarwind vor, so dass ich ständig die Bremse betätigen musste, denn noch schneller hätte ich nicht durchgehalten. So kam ich nochmals völlig unterkühlt an den vorletzten Anstieg zur Tauern an und kämpfte auf dem langen schweren Anstieg gegen die Kälte und die Schwäche in den Beinen.


Der anschließend angekündigte absolute Höhepunkt der Strecke – der 3,5km lange Single-Trail nach Bad Ischl kam mir dann gar nicht mehr so toll vor, nachlassende Kräfte und der Regen hatten aus diesem Streckenabschnitt einen der gefährlichsten Streckenabschnitte werden lassen. Unmittelbar neben dem ein Meter breiten Trail, der in eine Felswand geschnitten war, ging es im ersten Teil fast 200 Meter senkrecht ins Nichts. Zum Glück war diese Stelle durch Netze abgesichert. Mir war es teilweise nicht mehr möglich, die Bremse richtig zu dosieren und so musste ich mich voll konzentrieren, um nicht zu schnell zu werden und nicht zu stürzen.

Den letzte Anstieg über den Berg der Dramen, den Salzberg mit mehr als 30 Prozent konnte ich dann undramatisch meistern, denn es sollten die letzten 20km bis zum höchsten Punkt der Strecke, der Hütteneckalm werden. Mit ausreichend Zeitpolster, es war ca.17:30 Uhr, bis ins Ziel bewältigte ich diesen Anstieg auch ohne Gel, Powerbar-Riegel, Cola oder Redbull.
Die Labestationen waren auch hier wieder, kurz vor der Hütteneckalm wie leergefegt. 

Und nochmals stürzte ich mich in die letzte Abfahrt, die keine war und rutschte Richtung Bad Goisern nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel den Skihang abwärts.

Nach 15:05 Stunden erreichte ich endlich Bad Goisern, belohnt wurde ich durch Regen während der letzten 10 Minuten und einem wunderschönen Regenbogen über dem Hallstädter See – und wusste: „I made it!“


Nach dem bike-wash und einer schnellen Dusche warteten wir dann gespannt auf Daniel, der eine knappe Stunde später ins Ziel rollte – wir hatten es beide geschafft!