Rund um Köln 2009

Nachdem letztes Jahr Rund um Köln im Schneechaos an Ostern unterging, startete ich dieses Jahr den zweiten Versuch.
Das Wetter war erheblich besser als letztes Jahr, allerdings auch nicht optimal. Bis auf die letzten 30-40 km war er sehr neblig und auch dementsprechend kühl. Ich fuhr deswegen das ganze Rennen mit Weste und Armlingen und fühlte mich nicht zu warm angezogen.


Insofern war es fast gut, dass der Park- und Zielbereich sich in Köln, der Start hingegen sich im 15 km entfernten Leverkusen befand. Durch die Fahrt zum Start wurde die Beine wenigstens etwas warm. Ich war im Startblock B eingruppiert. Um 9:32, genau 2 min nach Block A ging es los.

Die ersten 10 km, bis nach Odenthal war es topfeben. Ich fand eine gute Gruppe, die gleich ordentlich Tempo machte.

"Vor dem Start hatte ich angesichts des Profils Bedenken wegen der Mindest-Geschwindigkeit . Es wurde ein 28 er Schnitt gefordert, Tempo 28 ist momentan so meine Durchschnittsgeschwindigkeit bei zügigen Solo-Trainingseinheiten rund um Erfurt, aber die haben keine 100 km mit 1100 hm.
Renn- oder zumindest RTF - Erfahrung mit solchem Tempo hatte ich dieses Jahr noch keine. Habe ich das schon drauf?
So hatte ich vorher schon etwas Bammel, ob die Strecke momentan nicht noch eine Nummer zu groß für mich ist.

Nach 10 km waren die Sorgen weg. Wir flogen auf ebener Strecke mit Tempo 40-41 dahin und holten schon nach kurzer Zeit die Langsamsten aus dem A-Block ein. Auch innerhalb meines Blocks B war ich bei weitem nicht am Ende der Gruppe. Da war ich mir sicher: wenn mir die Technik keinen Streich spielt oder ich gesundheitliche Probleme, insb. Krämpfe, bekomme, wird das Zeitlimit kein Problem werden. Am Ende war es ein Schnitt von über 34 km/h, also meilenweit weg von der Mindestgeschwindigkeit :))

Ob Odenthal ging es ins Bergische Land, das seinen Namen zwar von einem Grafen von Berg und nicht von den dort befindlichen Bergen hat, aber dennoch mit vielen Steigungen aufwartet. Die ersten Hügel gingen locker. Ich fing schon an zu scherzen "was die hier in Köln unter Bergen verstehen, die sollen mal in den Thür. Wald kommen", da kamen 3 heftige Anstiege hintereinander, die von meiner Gruppe in ziemlich hohem Tempo angegangen wurde. 2 konnte ich noch halbwegs locker mitgehen, bei dritten spürte ich leichte Krampfansätze in den Oberschenkel und musste mich ziemlich quälen. Ab diesem Zeitpunkt, so etwa bei Kilometer 70-80 nahm ich den "Druck" raus, da ich unter allen Umständen einen Krampf vermeiden wollte. Zwar konnte ich bei der Abfahrt wieder hinten an die Gruppe ranfahren und im Flachen dran bleiben, aber ich versteckte mich doch für längere Zeit am Ende der Gruppe, um Kraft zu sparen, während ich vorher zeitweise Tempo gemacht hatte.
Die beiden Anstiege in Sand und Bensberg fuhr ich bewußt nur mit 8o Prozent hoch, um nicht zu übersäuern. Danach, so wußte ich, kommt kein richtiger Berg mehr, sondern es geht erst bergab und danach flach bis ins Ziel, dann kann ich wieder heizen.

Meine Gruppe war nach den beiden letzten Hügeln zwar etwas weggefahren, aber ich hatte Glück. Denn zwischenzeitlich waren die 60 km Leute auf derselben Runde unterwegs wie wir und da fand ich eine enorm starke Gruppe von "60-ern", in die ich mich einhängen konnte. Wieder ging die Tachonadel auf Geschwindigkeiten jenseits der 40 auf flacher Strecke. Dadurch hatten wir relativ schnell meine alte Gruppe wieder eingeholt. Ein Teil davon schloß sich uns an, der Rest fiel sogar zurück. Nunmehr lichtete sich endlich auch der Nebel, der vorher die Sicht zeitweise arg beeinträchtigt hatte. In hohem Tempo ging es durch Köln hindurch, über die Rheinbrücke und sodann in den Hafen, wo sich das Ziel befand. Ich war die letzten Kilometer zwar ganz schön am Limit, aber da es flach war, konnte ich ohne viel Druck, aber dafür mit hoher Frequenz fahren, was meinen Beinen merklich besser gefiel.

Am Ende wurde es dann Platz 505 von 840, was nicht so überragend klingt, aber für mich dennoch ein schöner Erfolg ist, vor allem wenn man berücksichtigt, dass unter den ersten 100-150 viele ehemalige Profis und A-Amateure waren, die sich jetzt in den Jedermannrennen "verstecken", sowie zudem berücksichtigt, dass die Zeitabstände relativ eng waren.

Der Fünft-Platzierte (!) Enrico Poitschke etwa fuhr letztes Jahr noch Weltcup-Rennen für das Team Milram und war im Jahr 2007 sogar noch bei der Tour de France dabei, wo er Platz 51 im Gesamtklassement erreichte. Nachdem er zum Jahresende seine Profikarriere beendet hat, startet er inzwischen bei den "Hobbyfahrern" in Jedermannrennen *rolleyes* Und dann war er gerade mal 36 min schneller als ich :))

Gruß Wolfgang