Rund um Köln am 25.4.2011

Nachdem das 12 h Rennen in Rotenburg bei mir ein Fehlschlag war und sowohl Possen- als auch Kyffhäuserlauf aus terminlichen Gründen nicht passten, wurde Rund um Köln am letzten Montag zum ersten ernsthaften Wettkampf im Jahr 2011. Das Grundlagentraining war lang und recht umfangreich, seit Anfang März kamen dann auch noch intensive Trainingseinheiten hinzu. Zuletzt hatte ich das Gefühl, dass meine Form ganz ordentlich ist, aber die definitive Aussage erbringt dann erst der Wettkampf.

Dementsprechend nervös stand ich morgens ab 0900 h im zweiten Startblock. Ich hatte mich an die Hoppers angeschlossen, einer Rennradgruppe aus Düsseldorf, die mit 7 Mann am Start war, von denen ich einzelne vom Marathon in Bimbach kannte. Bei meiner bislang einzigen Teilnahme bei Rund um Köln hatte ich mir die Kräfte schlecht eingeteilt, war zu viel vorne im Wind gefahren bzw. hatte Löcher zugefahren, was dazu führte, dass ich auf den letzten 30 km mich nur noch irgendwo im Windschatten anhängen konnte, aber keine Kraft mehr hatte, um selbst noch etwas zu unternehmen. Das sollte dieses Mal anders werden. Außerdem war die Strecke etwas länger (etwa 15 km) als noch 2009, daher war schon deshalb bessere Kräfteeinteilung gefragt. Dementsprechend vorsichtig ging ich die ersten Kilometer an. Es wurde zwar nicht getrödelt, aber auch kein „Tempo gebolzt", sondern wir rollten im großen Pulk mit Tempo 35-40 durch die Kölner Innenstadt und die Außenbezirke in Richtung Bergisches Land. Wir waren bewusst aus der hinteren Hälfte unseres Startblocks gestartet. Von dort kann man zwar nicht „gewinnen", aber es geht auch weniger hektisch zu als vorne bei den wilden, jungen „Rennpferden".

Leider gingen nicht alle die Strecke so vorsichtig an. Es gab wieder einmal viele Unfälle. An einem Kreisel hörte ich, wie kurz nach mir einer in die Absperrung "einschlug" und aufschrie. Kurz vor Bechen lagen nach Aussagen von Mitfahrern plötzlich zwei Finger auf der Straße, die sich einer der Fahrer aus Startblock A beim Sturz in seinen Messerspeichen abgetrennt hatte. Als ich an die Stelle kam, stand zum Glück schon der Krankenwagen vor Ort, so dass nichts mehr zu sehen war. Auch einen der Hoppers hat es leider erwischt. Direkt vor ihm stürzten 2 Fahrer, er konnte nicht mehr ausweichen, stürzte über diese und brach sich zweimal seinen rechten Arm.

Beim Aufstieg nach Bechen zog sich dann das Feld weit auseinander. Ich stellt fest, dass mein Wintertraining offensichtlich ganz gut war, denn ich konnte eine Reihe von Mitfahrern überholen. Aber auch unsere Hoppergruppe hatte sich dezimiert, wir waren nur noch zu dritt unterwegs. Gut lief auch der erste Aufstieg nach Sand, mit fast 20% Steigung das steilste Stück der Strecke. Als wir dann aber kurze Zeit später zum Aufstieg in Bensberg mit seiner kurzen, steilen Kopfsteinpflasterpassage kamen, war ich leider einen kurzen Moment unaufmerksam. Ich hing hinter zwei langsamen Fahrern aus dem Startblock A und rollte nur gemütlich mit diesen nach oben. Als ich dort ankam, musste ich feststellen, dass ein Großteil meiner bisherigen Gruppe, insbesondere die beiden Mitfahrer der Hoppers weg waren. Ich sah sie zwar noch, aber die Lücke war schon zu groß, um sie mit einem kurzen Spurt zu schließen. Aus meinen Erfahrungen vom Jahr 2009 wusste ich, dass es mir am Ende nichts bringt, wenn ich jetzt meine ganzen Körner verpulvere, nur um das Loch zuzufahren und dann kraftlos im Sattel hänge. Also Taktikwechsel, neue Gruppe suchen. Ich fand zwar recht bald eine kleine Gruppe, aber die "lief nicht", weil keiner vorne im Wind sich müde fahren wollte. Erst nach ein paar weiteren Kilometern schlossen zusätzliche Fahrer zu uns auf und dann wurde wieder zügiger gefahren. Im Gegensatz zum letzten Mal hatte ich dafür keinen Einbruch auf den nun folgenden Anstiegen in Overrath, Hohlkeppel und Bärbroich. Am letzten Anstieg, kurz vor dem Ende der Zusatzschleife, konnte ich mich sogar mit 2 Fahrern absetzen und zu einer Gruppe weiter vorne aufschließen.

Ab dem Ort "Spitze" wurde die Situation auf der Straße dann sehr unübersichtlich, da inzwischen auch die Fahrer der 60 km "Kurzstrecke" auf demselben Kurs unterwegs waren. Einige von diesen hatten Probleme mit der Radbeherrschung und konnte vor allem nicht Windschatten fahren. Deshalb versuchte ich, mich an eine Gruppe mit roten Startnummern (Langstrecke) anzuhängen und die Leute mit gelber Startnummer (Kurzstrecke) möglichst zu meiden. Am 20% Anstieg in Sand spürte ich dann doch, dass meine Kräfte nicht mehr bei 100% waren, den Berg kam ich beim ersten Mal deutlich lockerer hoch. Dafür fuhr ich Bensberg dieses Mal "Vollgas", da ich wusste, dass es der letzte ernsthafte Anstieg vor Köln war. Nach Bensberg ging es in rasantem Tempo hinunter in Richtung Köln. Der Tacho fiel jetzt kaum noch mal unter die 40 km/h Marke. Trotzdem hätte ich sogar noch ein bisschen schneller fahren können, wenn die Gruppe besser funktioniert hätte. Aber die Wechsel liefen nicht richtig und alleine kommt man bei diesem Tempo nicht weg. Auf dem letzten 2 km löste sich die Gruppe auf und jeder fuhr so schnell er konnte. Ich hatte noch Reserven und konnte auf den letzten Metern noch einige überholen. Am Ende wurde es Platz 163 von 400 in meiner Altersklasse, also deutlich in der ersten Hälfte und nur rund 2 Minuten hinter dem Ende des ersten Drittels meiner AK. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 34,8 km/h, das ist eine Verbesserung im Vergleich zu 2009 um mehr als 1 km/h und das bei einer 15 km längeren Strecke. Fazit: die Form stimmt!

Im Ziel habe ich dann noch kurz Daniel Näther getroffen, der dieses Mal für ein anderes Team fuhr.

Gruß Wolfgang