Rad am Ring 2013 - mein härtestes Rennen seit dem Grenzgänger!!!

Eigentlich habe ich dieses Jahr den Schwerpunkt aufs Laufen gelegt. Den Rennsteiglauf über dei 43 km Distanz  konnte ich unter Aufbietung aller Willenskräfte finishen und Berlin steht in kürze auf dem Programm. Dazwischen lagen eine Reihe weiterer Laufwettkämpfe zwischen 5 und 21,1 km.

 

Das Radfahren habe ich dagegen dieses Jahr etwas klein geschrieben. Daher war ich zunächst auch etwas zögerlich, als ein alter Freund aus der Pfalz mit der Idee “Rad am Ring 2013” auf mich zu kamen. Er ist inzwischen im Triathlon aktiv und wollte mit seinen Vereinskollegen als besonderes Event mit zwei 4er Teams das 24 h Rennradrennen dort bestreiten. In seinem Verein wären zwar viele fitte Leute, aber Erfahrung mit 24 h Rennen habe da keiner, aber ich hätte doch schon öfter und so…

Ich beschränkte mich zunächst auf Beratung, wie man so etwas organisiert, was man beachten muss usw. Irgendwann sagte ich dann aber zu, selbst auch als Fahrer mitzufahren. Da ich mir keinen Druck machen wollte, schon gar nicht 3 Wochen vor dem wichtigen Lauf in Berlin, wollte ich nur in deren zweiter Mannschaft starten, die mehr das olympische Motto als Ziel ausgab, während die erste Mannschaft einen guten Platz erreichen wollte. Außerdem startete auch mein Freund “nur” in der zweiten Mannschaft, passte also. 

Während der Woche vor dem Rennen verdüsterte sich die Wetterprognose von Tag zu Tag. Noch am Dienstag waren zwei Tage Sonne angekündigt, am Donnerstag war es zumindest noch gemischtes Wetter vorhergesagt, als ich am Freitag Abend auf dem Ring eintraf, war die Prognose noch schlechter: Regen, Regen, Regen, vielleicht sogar noch in Kombination mit Gewitter wurde von allen Wetterdiensten gemeldet. Dementsprechend war auch die Stimmung auf der Nudelparty auch etwas gedrückt. Aber die Mannheimer Trias waren guten Mutes, irgendwie würden wir schon durch kommen, mit Schwimmen hätten sie ja viel Erfahrung. Wir tranken noch ein Bier und verkrochen uns in Zelt.

Ich wurde zum Startfahrer bestimmt, da ich die meiste Erfahrung mit Straßenrennen hatte und den anderen Teammitgliedern das Fahren im Pulk etwas unheimlich ist. Um 13:15 ging es los, noch bei strahlendem Sonnenschein.

Die Straßen-Rennstrecke, die aus der modernen Grandprix Strecke, auf der Vettel, Alonso & Co mit ihren Formel 1 Wagen unterwegs sind, plus der alten Nordschleife besteht, ist allein die Startgebühr wert. Es ist schwer zu beschreiben, man muss es selbst er”fahren”, aber diese Strecke, gerade die alte Nordschleife hat ein irres Fläir. Sicher spielt da auch rein, dass ich als Kind noch Formel 1 Rennen auf dem alten Ring gesehen habe und der schreckliche Unfall von Niki Lauda, dessen Fan ich damals war, mir immer noch präsent ist. Die vielen Kurvenkombinationen, Bodenwellen, Steilwandkurven, die rasante Fuchsröhre, an deren Ende ich bei meiner schnellsten Runde, als es noch trocken war, Tempo 95 km/h auf dem Tacho stehen hatte, aber auch die teils brutale Steigung von Breidscheid zur Hohen Acht mit einem längeren 17% Teilstück kurz vor dem Gipfel, das die Kraft aus den Muskeln saugt, all das ist wirklich ein Erlebnis und wir sollten mal bei Ostwest überlegen, ob wir nicht vier interessierte Staßenfahrer zusammen bekommen und dort auch mal starten.

Als die Startrunde zu Ende ging, war ich ziemlich platt. Da merkte ich doch, dass ich dieses Jahr zu wenig Rad trainiert habe, um im Tempo der Vorjahre solche bergigen Strecken zu fahren. Es fehlte einfach die Kraft in den Beinen. Gegen 15:00 h setzte dann der angekündigte Regen ein, zunächst nur ein bisschen Nieselregen, der aber bald stärker wurde. Ich hatte mit meiner zweiten Runde noch halbwegs Glück, es war zwar feucht, aber noch nicht nass. Meine Teamkollegen wurde dagegen teilweise schon kräftiger geduscht. Nachdem wir alle 4 einmal gefahren waren, lagen wir um Platz 220 von 600 Teams in der Gesamtwertung, das war weit besser als erwartet, Auch die erste Mannschaft, das A-Team lag nur etwa 50 Plätze vor uns. 

Gegen 20.00 h tauchte dann plötzlich ein Fahrer aus dem A-Team auf, frisch geduscht und in ziviler Kleidung. Was war geschehen??  Sie hatten aufgegeben, der Dauerregen hatten ihnen die Zähne gezogen, also musste jetzt die zweite Mannschaft die Kohlen aus dem Feuer holen. Das Wetter hatte viel vom (früheren) Grenzgänger in Sülzhayn, nass, glitschtige Straßen, neblig, aber keineswegs unerträglich, außerdem war es deutlich wärmer als damals im Harz.

“DNF (did not finisch) is no option” war mein Motto, ich mache weiter, auch von meinen Teamkollegen sprach keiner vom Aufgeben.

Da allerdings einige Teams einpackten verbesserte sich unsere Platzierung kontinuierlich. Kurz vor Mitternacht lagen wir schon auf Platz 140. Vor allem Eric, der Tscheche in unserem Team, war nicht klein zu bekommen. Es konnte regnen wie aus Kübeln, er dreht eisern seine Runden ohne zu jammern. Nach Mitternacht stellten wir dann auf Doppelrunden um und ich bekam gegen 1:15 h meinen persönlichen Durchhaltetest. Die erste Runde war zwar äußerst neblig, was gerade auf dem steilen Stück bergab ein riskanter Blindflug war, aber es nieselte nur leicht. In der zweiten Runde war der Aufstieg zur Hohen Acht dann eine harte Probe für die Beine, im Anschluss daran wurde ich - zum Dank dafür- zwischen Brünnchen und Einfahrt Grandprixstrecke geduscht, dass ich den Schuhen hätte Goldfische züchten können. Als ich um 3:30 h wieder an unserem Teammobil war, war ich um eine Erfahrung reicher. Danach kam wieder Eric und ihn traf es noch schlimmer. Starkregen, Gewitter, schier unglaubliche Wassermengen fielen vom Himmel. Eric fuhr dennoch seine Doppelrunde. Danach kam Roland dran, auch bei ihm war das Wetter nur wenig besser. Er fuhr die erste Runde und als er bei Start und ZIel vorbei fuhr, wurde er abgewunken. Es hatten sich offenbar zu viele Unfälle unterwegs ereignet, außerdem war die Strecke - nach Rolands Aussage- übersäht mit Laub sowie toten Fröschen und Salamandern, die offenbar die Rennstrecke mit ihrem Lieblingstümpel verwechselten. 

Daher brach die Teamleitung das Rennen gegen 5:30 ab und legte den Restart auf 8:30 h fest. Wir waren inzwischen auf Platz 107 vorgefahren und nahmen uns vor, unter die Top 100 zu kommen. Nach einer kurzen, unruhigen Schlafphase fuhr ich dann gegen 9:30 h meine letzte Runde, nochmal am Limit. Konditionell war zwar noch Spiel nach oben, aber die Beinmuskeln waren am Ende durch 6 mal Hohe Acht leer gesaugt, mehr ging nicht mehr.

Ich merkte aber, dass die anderen auch nachgelassen hatten, ich konnte mit einer Gruppe mithalten, die mir vor der Nacht noch weggefahren wäre. Unser Ziel war es die vier Runden so schnell zu fahren, dass wir noch eine fünfte Runde beginnen können, das Ziel haben wir erreicht, etwa 15 min vor dem Stopp fuhr Roland durch das Ziel und wir konnten noch eine fünfte Runde zu Ende fahren. Wie am Ring üblich, fuhren wir unserem letzten Teamie entgegen und rollten die letzten 2 km gemeinsam ins Ziel. 

Wir hatten dank unseres Durchhaltewillens einen sensationellen 60. Platz in der Gesamtwertung und sogar Platz 22 in der Altersklasse erreicht. Von ehemals 600 Teams fuhren nur 270 das Rennen zu Ende.

Wolfgang Kölsch