Unverhofft kommt oft - oder: ein Podiumsplatz beim Erfurter Waldlauf

Als erster Wettkampf nach dem Rennsteiglauf Supermarathon stand am letzten Maiwochenende der Erfurter Waldlauf an, ein Lauf mit zahlenmäßig überschaubarem Läuferfeld, jedoch dennoch gut besetzt. Beim Warmlaufen entdeckte viele bekannte Gesichter, die schon beim Possen- und Kyffhäuserlauf am Start waren.

Letztes Jahr hatte ich bei diesem Lauf Platz 14 in meiner AK erreicht, in der neuen AK 50 wäre es letztes Jahr Rang 10 gewesen. Ziel war somit ein Platz unter den ersten 10, mehr erschien nicht realistisch.

Der Kurs hat zwar keine langen Steigungen, ist aber dennoch ziemlich profiliert. Es ist kaum mal wirklich flach, entweder geht es bergrunter oder bergauf.

Der Startschuss kam und vorne rasten sie wieder davon. Ich hatte mir einen Lauffreund Ingo aus Erfurt als Richtschnur ausgesucht. Normalerweise ist er deutlich schneller als ich, aber nach seiner Verletzung am Possen ist er noch im Aufbautraining. Ich vermutete, dass seine Pace eine ganz gute Orientierung wäre und so war es dann auch.

Am ersten und zugleich längsten Anstieg hoch zur Fuchsfarm zog er zwar etwas davon, blieb aber in Sichtweite. Auch einige junge Läufer, darunter der Sohn einer guten Bekannten, zogen an mir vorbei. Ich reduzierte bewußt mein Tempo, lief nach Pulsmesser und versuchte einen Puls von über 170 zu vermeiden. Letztes Jahr hatte ich mich nämlich am Anfang zu sehr verausgabt und konnte am Ende nichts mehr zulegen. Nach der Fuchsfarm ging es wellig weiter und sodann bergab zur Försterei und zum Rhodaer Grund. Zu meiner Überraschung konnte ich den Abstand sowohl zu den jungen Läufern als auch zu Ingo wieder verkürzen. Beim Anstieg hinter dem Grund hatte ich sie eingeholt und ging auch an einigen vorbei. Erstmalig hatte ich das Gefühl, dass doch etwas mehr drin ist bei diesem Lauf, denn ab Kilometer 7 war ich nur noch am Einholen und Überholen. Auf dem nächsten Bergabstück überholte ich Ingo, das war mir fast peinlich, aber ihm fehlte noch etwas die Wettkampfausdauer und er wünschte mir Glück - sehr fair!

Es kam der so genannte “schwarze Weg”, eine mit vielen Wurzeln gespickte Trailstrecke, die häufig sehr schlammig ist und davon auch ihren Namen hat. Wieder holte ich drei Läufer ein, zwei junge und einen älteren Mann, der auch vermutlich in meiner AK unterwegs war.

Nach dem Ende des schwarzen Wegs geht es fast nur noch bergab bis zum Ziel, das wusste ich noch vom letzten Jahr. Ab jetzt gab es nur noch “volle Kraft voraus”.

Die GPS Uhr zeigte ab jetzt ständig eine Pace von 3:30-3.50 min/km an, das sind mehr als 15 km/h. Die drei eingeholten konnten meinem Tempo nicht mehr folgen, auch zwei weitere junge Läufer wurden kassiert. Nach etwa weiteren 1.5 km sah ich plötzlich Andreas aus Sömmerda vor mir, der beim Possenlauf meine AK mit deutlichem Abstand gewonnen hatte. Da wusste ich: wenn du dir den noch schnappst, ist echt was drin heute.

Etwa 1 km vor dem Ziel hatte ich ihn eingeholt. Ich blieb ein kleines Stück in seinem Windschatten und zog dann beim nächsten Bergabstück vorbei. Umschauen wollte ich mich bei diesem Tempo nicht, aber ich stellte die Ohren nach hinten und schon nach wenigen Metern waren seine Schritte nicht mehr zu hören.

Die nächste Gruppe nach vorne war nicht mehr zu erreichen, aber dennoch hielt ich das Tempo hoch, weil ich fürchtete, Andreas oder einer der anderen Überholten könnten vielleicht nochmal kontern. Es kam der Stern und die letzten 200 Meter, ich schaute kurz nach hinten und es war niemand mehr in Sichtweite, der mir hätte gefährlich werden können. So lief ich dann frohgemut ins Ziel und nach dem Durchlauf bekam ich den Ergebniszettel überreicht:

PLATZ 3 in der AK 50, das war dann doch eine schöne Überraschung, damit war nicht zu rechnen gewesen.

Wolfgang